Gewässerkunde
Mäander
Warum Flüsse Schleifen ziehen, wie man den Umweg misst und welche Gewässer in Deutschland am stärksten mäandrieren.

Wie Schleifen entstehen
In einer Kurve fließt das Wasser außen schneller als innen. Außen trägt es deshalb Material ab, innen lagert es welches an. Die Kurve wandert dadurch nach außen und wird enger. Irgendwann berühren sich die beiden Enden einer Schleife, der Fluss durchbricht den Hals und nimmt die Abkürzung. Die abgeschnittene Schleife bleibt als Altarm zurück.
Voraussetzung ist geringes Gefälle und ein Untergrund aus lockerem Material. Deshalb mäandrieren Tieflandflüsse stark und Gebirgsbäche kaum.
Der Umwegfaktor
Wie stark ein Fluss mäandert, lässt sich aus zwei Zahlen ablesen, die im Steckbrief ohnehin stehen: der Lauflänge und der Luftlinie zwischen Quelle und Mündung. Ihr Verhältnis ist der Umwegfaktor. Ein Wert von 2,4 heißt: Der Fluss ist zweieinhalbmal so lang wie die direkte Strecke.
Weil begradigte Flüsse ihre Schleifen verloren haben, ist der Wert auch ein Hinweis auf den Ausbauzustand. Viele deutsche Flüsse wurden im 19. und 20. Jahrhundert für Schifffahrt und Landgewinnung verkürzt.
Beispiele aus dem Lexikon
| Gewässer | mal Luftlinie | Länge | Bundesland |
|---|---|---|---|
| Hamme | 5,53 | 48,5 km | Bremen |
| Trave | 5,30 | 114 km | Schleswig-Holstein |
| Trebel | 4,36 | 87,0 km | Mecklenburg-Vorpommern |
| Schwarzer Graben | 3,98 | 25,0 km | Nordrhein-Westfalen |
| Große Sülze | 3,75 | 36,7 km | Sachsen-Anhalt |
| Havel | 3,55 | 334 km | Berlin |
| Wondreb | 3,51 | 66,1 km | Bayern |
| Schwesnitz | 3,43 | 25,2 km | Bayern |
Berechnet aus Lauflänge geteilt durch Luftlinie zwischen Quelle und Mündung, ab 20 Kilometern Länge.
Verwandte Begriffe
Dieser Text ist redaktionell geschrieben. Die Ranglisten darin stammen aus den Gewässerdaten dieses Lexikons und werden bei jedem Build neu berechnet, siehe Daten und Quellen.